Lenz AntonLeserbrief an die WAZ zum Artikel 16.3. „ZF stellt sich für die mobile Zukunft auf“ von Toni Lenz:

„Der Weltkonzern ZF „stellt sich für die Zukunft auf“, heißt es wohlklingend im WAZ-Artikel vom 16.3. Der erste Schritt dafür war, dass 220 Arbeitsplätze in Gelsenkirchen vernichtet wurden.220 Arbeitern, oft mit Familien, ging es an die Existenz. Zum Teil noch heute ohne Arbeit oder miserabel bezahlt. So ist es eben, wenn sich ein Weltkonzern „für die Zukunft aufstellt“: in den Konzernbilanzen sprudeln die Gewinne – die Arbeiter und Angestellten müssen dafür bluten.„Diese Kröte mussten wir schlucken“, meint der Betriebsratsvorsitzende Ugur Coskun. Wenn die Beschäftigten dieser Losung gefolgt wären, dann würde das Werk heute gar nicht mehr stehen.

AUF fr ArbeitspltzeSchon seit Wochen waren BP-Mitarbeiter in großer Sorge um Gerüchte zum Arbeitsplatzabbau bei BP. Jetzt wird klar: 200 Mitarbeiter beim BP-Standort Gelsenkirchen und bundesweit 720 sollen ihren Job verlieren. Diesen Kollegen nützt es nichts, wenn im Gegenzug neue Stellen entstehen sollen – das sind erstens noch keine festen Zusagen und zweitens sind die 200, bzw. 720 Arbeitsplätze, die jetzt abgebaut werden sollen, trotzdem verloren.

Kündigungen sind nicht zu akzeptieren, auch wenn es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommt: Jeder verlorene Arbeitsplatz fehlt in Gelsenkirchen und für die Jugend, in einer Region mit so hoher Arbeitslosigkeit! Auch Gespräche um Abfindungsleistungen sichern keine Arbeitsplätze – im Gegenteil! Abfindungen werden hoch versteuert, und man muss erst mal davon sein Leben bestreiten, bevor es finanzielle Unterstützung vom Jobcenter gibt. Die meisten der letzten 200 Bergleute, die seit über einem Jahr gegen ihre “betriebsbedingte Kündigung” kämpfen, lassen sich auf den Verkauf ihrer Arbeitspätze nicht ein, weil sie damit sowohl ihren Arbeitsplatz als auch ihre durch ihre Arbeit erworbenen Rechte verlieren.

Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Branchen und Werken kamen am 12.9.2020 in den Räumen des alevitischen Vereins zusammen. „Dieses Tribunal hat den Horizont geweitet“, resümiertToni Lenz, sachkundiger Einwohner von AUF Gelsenkirchen im Wirtschaftsausschuss. „Es brachte Arbeiter unterschiedlichen Alters und verschiedener Nationalität, fest Angestellte, Leiharbeiter,Minijobber, Arbeitslose, Geflüchtete zusammen. Es war eine sehr faktenreiche Bilanz und Anklage, wie in der Region nach kapitalistischer Logik zehntausende Ausbildungs- und Arbeitsplätze vernichtet wurden, die vor allem der Jugend fehlen. Seit 2007 wurden 30% der Lehrstellen abgebaut. Nur ca. 58.000 Menschen in Gelsenkirchen haben noch eine Vollzeitstelle.“

Knapp ein Drittel der Unternehmen in der Emscher-Lippe-Region wollen Beschäftigte abbauen!

»Nach wie vor gibt es keine Entwarnung für das vom gescheiterten Strukturwandel schwer getroffene Gelsenkirchen« so Jan Specht, Stadtverordneter von AUF Gelsenkirchen. »Auch im jetzt veröffentlichten Emscher-Lippe-Index spiegelt sich wider, dass die Weltwirtschaftskrise bereits vor Corona begann und durch Corona enorm befeuert wurde.

AUF fr ArbeitspltzeLiebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter um Arbeits- und Ausbildungsplätze in Gelsenkirchen!

Wir laden euch herzlich ein zum Arbeitertribunal:„Arbeiter klagen an“ - Aufstehen gegen Arbeits- und Ausbildungsplatzvernichtung in Gelsenkirchen!

Es findet statt am Samstag, den 12. September 2020, von 16:00 bis 18:00 Uhr. Ort: Alevitischer Verein, Kirchstr. 85, 45 888 Gelsenkirchen. (Durchführung unter Corona-Schutzbestimmungen. Bitte Mund-Nasenschutz mitbringen.)