Kritik an Lern-Apps und KI-Anwendungen an Grundschulen

Leserbrief zum Artikel der WAZ vom 11.8.26 „Schulstart in NRW: Diese Lern-Apps und KI-Anwendungen helfen Grundschülern“ von Dr. med. Willi Mast

Internet-Konzerne und ihre Lobbyisten haben großes Interesse daran, Kinder schon im Grundschulalter für digitale Anwendungen zu gewinnen und die Lernprozesse zu steuern. Mit dem Digitalpakt Schule 2,0 ist diese Zielsetzung inzwischen im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgelegt: eine datengestützte Unterrichtsentwicklung, basierend auf einer Schüler-Identifikations-Nummer – mit dem Ziel des „autonomen Unterrichts durch selbstadaptive, KI-gestützte Lernsysteme“. Pädagogen/innen werden dafür eigentlich gar nicht mehr gebraucht – sie sind degradiert zu Lernbegleitern. Angesichts eines dramatischen Anstiegs von psychomotorischen Entwicklungsdefiziten bei Kindern warnen kritische Pädagogen, Neurobiologen und Kinderärzte vor dem zu frühen und exzessiven Einsatz von digitalen Medien. Eine Schulpolitik, die entwicklungspsychologische und hirnphysiologischen Reifungsprozesse von Kindern und Jugendlichen bewusst ignoriert, wird die Bildungsmisere zwangsläufig noch verschärfen.

Sicher können digitale Anwendungen ab einem gewissen Alter eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts sein. Aber eine wissenschaftliche Begründung, dass Laptops, Lern-Apps und KI-Anwendungen den Grundschülern helfen, gibt es bis heute nicht. Nicht ohne Grund wird in verschiedenen Ländern der Zugang zu sozialen Medien für Kinder und Jugendliche eingeschränkt und auch der Einsatz von digitalen Medien in Schulen. Mit kleineren Klassen und engagierten, nicht gestressten Lehrern kann man allseitiges analoges kindgemäßes Lernen fördern. Mit einer kommerziell geleiteten digitalen Bildung an Grundschulen werden noch mehr Kinder mit Lern- und Entwicklungsdefiziten zurückbleiben. Es ist einfach traurig!