Hitzestress und kommunaler Klimaschutz

Der kommunalpolitische Brunch zu diesem Thema am 2. August war mit 17 Teilnehmenden gut besucht, sehr informativ – und diskussionsfreudig.

Die  anhaltende Umwelt- und Klimazerstörung und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen schreitet schneller voran als häufig berichtet wird. Die globale Erwärmung nimmt zu, ebenso wie die Erwärmung der Weltmeere. Dadurch werden zusätzliche Mengen an CO₂ freigesetzt, auch weil Permafrostböden auftauen und die Polkappen abschmelzen.

Immer größere Mengen an Müll gelangen in die Ozeane. Mikroplastik landet über die Nahrungskette letztlich auch beim Menschen. Hinzu kommt das Absterben von Korallen und Plankton, ein fortschreitendes Artensterben, die Abholzung der Wälder und der Verlust der„grünen Lungen“ der Erde.

Durch veränderte Meeresströmungen und der Jetwinde in der Atmosphäre verändern sich die klimatischen Bedingungen weltweit. Hitze- und Dürreperioden werden häufiger, ebenso wie Starkregen, Überschwemmungen und schwere Stürme. Eine Schlussfolgerung der Diskussion: Die Klimakrise hat sich zu einer Klimakatastrophe entwickelt.

Die in den vergangenen Monaten traten immer häufiger Hitzeperioden mit Temperaturen von über 30 Grad auf – insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke, gesundheitlich vorbelastete Personen, obdachlose Menschen sowie Kleinkinder ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Die hitzebedingten Todesfällen in Nordrhein-Westfalen zeigen einen Anstieg von 400 % gegenüber dem Vorjahr!

In Krankenhäusern und Altenheimen sind meist keine Klimaanlagen vorhanden. Eine nachträgliche Ausstattung bestehender Gebäude mit zentralen Klimaanlagen ist jedoch häufig problematisch. Große Anlagen finden in den vorhandenen Gebäuden oftmals keinen Platz – und die Umbaumaßnahmen würden teilweise eine vorübergehende Schließung der Einrichtungen erfordern.

Eine Kombination aus baulichem Hitzeschutz und modernen VRF- oder Multisplit-Klimaanlagen sind in der Regel die wirtschaftlichste Lösung. Kritische Bereiche wie Operationssäle oder Intensivstationen sollten weiterhin über zentrale Lüftungs- und Klimasysteme versorgt werden. Photovoltaikanlagen können einen Teil des Strombedarfs und der Betriebskosten reduzieren.

SystemInvestitionBetriebNachrüstungEignung
SplitNiedrigGutSehr gutEinzelzimmer
VRFMittelSehr gutGutGroße Gebäude
Zentral KlimaHochGutGeringNeubauten/OP

Welche Möglichkeiten hat die  Stadt ein, wirksame Maßnahmen gegen die zunehmende Hitzebelastung zu ergreifen? Viele sehen die Entwicklung der vergangenen Jahre mit Sorge. In Bereichen mit ausgeprägten Hitzeinseln, wie dem Heinrich-König-Platz sind immer weniger Bäume und Grünflächen vorhanden, weil zahlreiche Bäume in den vergangenen Jahren zugunsten besserer „Sichtachsen“ oder aus Gründen der Verkehrssicherheit entfernt wurden, ohne sie anschließend zu ersetzen. Einen Antrag, die Wasserspiele für Kinder vor dem Hans-Sachs-Haus zu sperren, wurde bei der letzten Ratssitzung zurückgezogen. Es wäre ja eine Posse für den kommunalen Klimaschutz in GE…

Verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas wurden erarbeitet, z.B. 

  • Höherer Grasschnitt und selteneres Mähen beschattet den Boden besser und verhindert eine schnelle Austrocknung. Gleichzeitig verdunstet mehr Wasser über die Pflanzen (Verdunstungskühlung). Dadurch sinkt die Bodentemperatur und die Umgebungsluft wird gekühlt.
  • Sonnensegel und überdachte Aufenthaltsbereiche schützen Menschen direkt vor der Sonneneinstrahlung.
  • Zusätzliche Trinkbrunnen bieten während Hitzeperioden allen Menschen kostenlosen Zugang zu frischem Trinkwasser.
  • Helle Anstriche und Beschichtungen reflektieren das Sonnenlicht deutlich besser. Dunkler Asphalt nimmt besonders viel Sonnenenergie auf.
  • Baumpflanzungen: Bäume gehören zu den wirksamsten Maßnahmen gegen Hitze in Städten. Sie spenden Schatten und kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung. Ein großer Laubbaum kann an heißen Sommertagen mehrere hundert Liter Wasser verdunsten und dadurch die Umgebungstemperatur deutlich senken.
  • Begrünte Dächer wirken wie eine natürliche Isolierung. Sie schützen Gebäude vor starker Erwärmung und speichern Regenwasser.
  • Fassadenbegrünung verhindern eine direkte Erwärmung der Fassade.
  • Wasserdurchlässige Beläge: Anstelle von vollständig versiegelten Flächen können Pflastersteine oder wasserdurchlässige Beläge verwendet werden.
  • Wasserflächen: Brunnen, Wasserbecken oder kleine Wasserläufe verbessern das Mikroklima durch Verdunstung.
  • Entsiegelung großer Flächen durch Umbau von Straßen und Plätzen: Viele Parkplätze, Gehwege oder Plätze bestehen aus Asphalt oder Beton. Diese Materialien speichern besonders viel Wärme.
  • Neue Parks und Grünanlagen verbessern das Stadtklima spürbar
  • Anpassung der Stadtplanung und Schaffung von Frischluftschneisen
  • Rückhaltebecken gegen Starkregen schützen vor Überschwemmungen und entlasten die Kanalisation

Fazit: Klimaschutz wird in den kommenden Jahren eine der wichtigsten Aufgaben der Stadtentwicklung sein. Dabei gibt es nicht die eine perfekte Lösung – vielmehr führt die Kombination verschiedener Maßnahmen zum größten Erfolg.

Freunde von der Umweltgewerkschaft gingen in der Diskussion ein auf die große  Herausforderungen der Umwelt-, Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung – und regten eine bessere Vernetzung der Aktivitäten an. Angesichts der internationalen Strategiediskussion der Umweltbewegung am 23.-25. Oktober in Stuttgart wird eine Live-Übertragung für GE geplant.

Insgesamt eine wichtige und spannende Zukunftsdiskussion!