Heiß diskutiertes Thema Jugendkriminalität

Zum Brunch hatte AUF Gelsenkirchen am 17. Mai eingeladen zum einem Thema, dass viele bewegt: „Jugendkriminalität,  was sind die Ursachen, was ist zu tun?“ Eine große Runde im „Treff International“ in Stadtmitte diskutierte das – nach kulinarischer Stärkung – engagiert und differenziert.

Eltern und Großeltern, Arbeiterinnen und Arbeiter u.a. aus dem Bereich Sozialarbeit, Mediziner, Lehrkräfte, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, kommunalpolitisch Aktive und Interessierte kamen zum Brennpunkt-Thema zusammen.

Ein faktenreicher Bericht aus der Arbeit von AUF im Ausschuss für Ordnung und Prävention gab eingangs Einblick in die Entwicklung. Eine NRW-Studie belegt: Insgesamt ist die Kriminalität bei Kindern und Jugendlichen um 7 % gegenüber 2024 gesunken, aber gestiegen ist die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, auffallend unter Mädchen ab Klasse 7. Professor Clemens Krone zieht aus einer aktuellen Studie das Fazit, dass die meisten Jugendlichen Gewalt ablehnen – und dass es keine Grundlage für eine Einengung auf Migration gibt. Ganz im Gegensatz zur Hetze der AfD, Ausländer seien ein Sicherheitsrisiko. Die Ermittlungsgruppe „Strab“ der Polizei in Gelsenkirchen befasst sich mit den Raubdelikten unter Teenagern – unter den Tatverdächtigen waren keine rumänischen oder bulgarischen Jugendlichen (WAZ 15.4.2026). Die Sonderkommission der Polizei und Programme wie „Kurve kriegen“ helfen sicher – doch oft verlagert sich der Hotspot nur.

Welche Ursache haben die Raubdelikte, die u.a. Eltern in Ückendorf Sorgen bereiten? Viele Zusammenhänge wurden genannt, von Gesundheitsbelastungen, mangelnder Bewegung, fehlenden Psychotherapieplätzen, Armut, kein Schul- oder Berufsabschluss, Gewalt, Mobbing und Krieg in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, u.a. über die sozialen Medien. Große gesellschaftliche Umbrüche finden statt, sie betreffen auch Erziehung und Arbeit.

Nicht über, sondern mit den Jugendlichen reden, war Fazit. Wo treffen sie sich? Was wollen Sie selbst? Welche Hilfsangebote nehmen sie an? 

Jugendliche Stärken: Sie brauchen selbstverwaltete Räume, in denen ihre Eigenaktivität gefördert wird statt ihnen was vorzusetzen. Sie ergreifen schon jetzt selbst Initiative wie in Ückendorf, wo viele sich samstags regelmäßig  zum Sport treffen. AUF Gelsenkirchen hat eine Wehrpflicht-Beratung begonnen, die auf großes Interesse unter Schülerinnen und Schülern stößt.

Diskutiert wird die Einrichtung eines „Haus des Jugendrechts“ auch in Gelsenkirchen. Strafen oder Erziehungsmaßnahmen sollen der Tat auf dem Fuße folgen, damit Jugendliche den Zusammenhang zwischen Tat und Konsequenz direkt spüren. Modelle wie das „Haus des Jugendrechts“ bündeln Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und Betreuer unter einem Dach. Wenn Jugendliche straffällig werden, muss Ziel sein, primär erzieherisch einzugreifen mit dem Ziel der Resozialisierung. Fälle sollen so  schneller bearbeitet und individuelle, passgenaue Maßnahmen (wie soziale Trainingskurse, Täter-Opfer-Ausgleich oder betreutes Wohnen) in die Wege geleitet werden.

Eine flächendeckende Jugendarbeit ist nötig, Präventionsangebote müssen ausgebaut werden, Schulen sollten für Vereine geöffnet werden, Arbeits- und Ausbildungsplätze aus – statt abbauen, die Ganztagsbetreuung in der Schule fördern … Im krassen Gegensatz dazu steht die „Sozialstaatsreform“ mit Milliardeneinschnitten, die unseren Protest herausfordern.

Die wirksamste Bekämpfung von Jugendkriminalität ist eine verlässliche Zukunftsperspektive! Jugendliche brauchen Bildung, Arbeit, Gesundheit, Umweltschutz und soziale Anerkennung, um ihren festen Platz in der Gesellschaft finden zu können. Kämpfen wir mit ihnen gemeinsam dafür!

Alle Beteiligten beim Brunch bekräftigten die Solidarität mit dem „Café Stolzenfelz“, damit ihre wertvolle Arbeit nicht durch Angriffe zunichte gemacht wird.