1 Mio. to. Giftmüll lagern seit Jahren am Grimberg-Hafen – ein wildes Gemisch von Rostasche, Giftschlamm, Bauschutt etc. Und völlig unklar, was damit passieren soll. Die RWE als Produzent der Rostasche, Remondis als Müllentsorger, die Fa. Becker als Betreiber (inzwischen pleite), die RAG als Grundbesitzer und die anderen Müllproduzenten laden wieder einmal alles auf die Kommune ab – Kosten von ca. 70 bis 100 Mio. Von den gesundheitlichen Folgen der Gift- und Staubbelastung für die Anwohner in Gelsenkirchen und Herne und von den längerfristigen Folgen für das Grund- und Oberflächenwasser ganz zu schweigen. Die Bezirksregierung Münster als Aufsichtsbehörde hat dem kriminellen Treiben jahrelang zugesehen. Und das städtische Umweltamt hat die Bürgerproteste und Kritiken von AUF im Umweltausschuss immer wieder abgeschmettert.
Beim kommunalpolitischen Brunch von AUF am 29. März ging es um die Frage: was tun? – aber auch um Alternativen. Müllhalde Grimberg ist ein Paradebeispiel für kapitalistische Müllpolitik: Statt Müllvermeidung und Kreislaufwirtschaft – wachsende Berge von Müll und Umweltgiften, die sich anreichern – in Luft, Boden, in den Gewässern, in der Biosphäre und im menschlichen Organismus. Statt schonendem Umgang und Recycling von Rohstoffen – Ausplünderung der letzten Ressourcen in aller Welt, bis hin zu den aktuellen Kriegen im Nahen Osten und in der Ukraine.
Es ist sehr aufwendig, aber wichtig, die Müllberge soweit möglich sicher zu entsorgen. Soweit noch möglich, müssen das natürlich die Verursacher bezahlen! Grimberg ist aber kein Einzelfall. Das zeigt der Umgang mit den Ölpellets von BP, die Giftmüll-Verklappung unter Tage, die zahlreichen Altlasten in unserer Stadt.
Wir brauchen deshalb auch eine Zukunftsdiskussion über Alternativen zur kapitalistischen Müllpolitik. Anregungen dazu gibt das jetzt wieder aufgelegte Buch zum „Umweltschutz im Sozialismus – China 1966 bis 76“ (Mediengruppe Neuer Weg 2026). Auch am Beispiel von petrochemischer Industrie, Verkehrs-, Energie- und Müllpolitik werden Schritte zu einem allseitigen Recycling und Kreislaufwirtschaft aufgezeigt – unter dem Motto Vielfachnutzung von Rohstoffen, „Schädliches in Nützliches verwenden“ etc. Zahlreiche kleinere Betriebe, die Abfäülle weiterverarbeiteten, viele neue Arbeitspätze und eine saubere Umwelt entstanden im Umfeld petrochemischer Großanlagen. Es war der praktische Beweis, wie sich die Einheit von Mensch und Natur schrittweise wieder herstellen lässt.
Wir können einiges daraus lernen. Als Chemie- und Energiezentrum mit bester Infrastruktur und mit vielen qualifizierten Arbeitern, technischen und wissenschaftlichen Fachkräften hat Gelsenkirchen eigentlich großes Potential, eine Modellregion für zukunftsfähige Energie- und Kreislaufwirtschaft zu werden. Wasserstoff als Zukunfts-Technologie könnte in Verbindung mit vorhandenen Strukturen und der Westfälischen Hochschule ein zentraler Bezugspunkt sein, um innovative Klein- und Mittelbetriebe anzusiedeln und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Alle interessierten Mitbürger/innen, insbesondere auch umweltinteressierte Jugendliche, sind eingeladen, an dieser Zukunftsdiskussion des kommunalen Wahlbündnisses AUF zu beteiligen (www.auf-gelsenkirchen)
Willi Mast




