Kleiner Wahlkampfrückblick mit Geschichten
von Monika Gärtner-Engel
30.8.09
Ein besonderes Highlight in unserem Wahlkampf waren die Plakate: bunt, politisch und durchgestylt von unserem bewährten Grafiker in Kombination mit einem jungen und rebellischen Fachmann. Auch an das Foto von mir machte sich eine junge Power- Fachfrau. Eines Morgens kam ich aus dem Schwimmbad, in Räuberzivil - und wieder einmal hatte ich die Haarbürste vergessen. Mit meinem Fahrrad stehe ich an der Fußgängerampel, gegenüber an der Laterne hängt ein Plakat von mir. Neben mir ein junger, knackiger Mann, durchtrainiert, Ohrringe, gut aussehend. Er schaut auf das Plakat, schaut auf mich, stellt fest: das sind ja sie! Er fragt nach auf Gelsenkirchen, wir kommen ins Gespräch. Die Ampel wird grün und im weggehen schaut er noch einmal aufs Plakat, noch einmal auf mich, lacht und meint: ... ist aber auch wirklich vorteilhaft fotografiert!
Ein großer Erfolg war auch unsere Losung: "Zwei Engel für Horst!". Viele stutzen erst einmal, wer sind die Engel? Ein Mann dagegen stutzt auch, wundert sich aber gar nicht über die Engel, sondern fragt: und wer ist Horst?
Sehr angetan von dem Slogan "Zwei Engel für Horst" ist übrigens auch mein Fensterputzer. Warum? Er heißt Horst Michels! So bekommen die 2 Engel für Horst für jeden eine ganz persönliche Bedeutung!
Dieser Slogan regt im Übrigen auch an zum tieferen Nachdenken. Ein Mann schaut nachdenklich auf das Blatt und meint: mit ihrem Namen haben sie ja wirklich Glück! Stellen Sie sich vor, sie würden Schwein heißen, dann wären sie nicht weit gekommen mit diesem Slogan! Zwei Schweine für Horst, nein das wäre wirklich nichts gewesen!
Aufsehen erregt auch die gesprühte Tafel "Zwei Engel kämpfen für die Jugend" gegenüber der Gesamtschule Horst. Als Lisa Flyer verteilt kommen mehrere türkische Mädchen, sehen das Flugblatt "Zwei Engel für Horst" und sagen: Zwei Engel für Horst, die kennen wir; die kämpfen für die Jugend, das steht bei uns an der Schule - wir wollen mithelfen beim verteilen.
Das taten sie dann auch! Und zwar mit solchem Feuereifer, dass sie plötzlich Lisa abhängen und alleine in einem Hausflur gefragt werden: was verteilt ihr denn, wer seid Ihr ? kurze Überlegung, dann die Antwort: wir sind von AUF Gelsenkirchen - und wir schützen die Stadt!
Auch anderweitig werden Jugendliche erstmals im Wahlkampf tätig. Willi Mast hatte ein ganzes Wahlhelferteam, unter anderem mit türkischen Jugendlichen. Auch sie werben mit Feuereifer, um ihren favorisierten Kandidaten bekannt zu machen. Einer der Jugendlichen zu Passanten: und hier darf ich Ihnen unseren Kandidaten vorstellen, Dr. Willy Brandt!
Im Zentrum unseres Wahlkampfes standen tatsächlich unsere Kandidaten. Jeder hat seine besonderen Stärken, Bekanntheit und Anziehungskraft entwickelt. Ein besonderes Zugpferd sind unsere Ärzte. Doch sie sind nicht unumstritten! Auf meine Frage am gestrigen Stand in Horst an einen älteren Mann: "haben Sie sich schon einmal überlegt, AUF Gelsenkirchen zu wählen?" knurrt er nur: "ich wähle wie immer, die Arbeiterpartei!" Staunend frage ich ihn, ob er damit etwa die SPD meint? "Natürlich", kontert er; "aber ich habe diesmal Krach mit meiner Frau bekommen. Die hat einen Arzt, da drüben aus der Sparkasse, der hat ihr so sehr gut mit ihrem Nacken geholfen - aber muss sie ihn deshalb gleich wählen?"
Die anderen Parteien blieben in diesem Wahlkampf farblos. Frank Baranowski hat uns bis heute nicht erklärt, womit er weitermachen möchte und der Bankdirektor Mörs verrät uns nicht, was er wollen, können, machen will! Es gibt allerdings eine markante Ausnahme. Beim Hausbesuch bei einem älteren Ehepaar kommt der Mann vom Briefkasten und sagte seiner Frau: gib mir mal die Brille, ich glaube es gibt jetzt schon Kandidaten Briefe von Horst Schlämmer! Die Frau hat die Brille schon auf, schaut sich die Kandidaten Briefe an und ruft: aber nein Manni, das ist doch nicht Horst Schlämmer, der heißt Peter Tertocha und ist von den Grünen!
Kurz und gut: unser Wahlkampf war sehr schön. So können wir uns auch alle an den ermutigenden Aufruf von Stefan bei der Montagsdemonstration halten: er rief den Leuten zu: resignieren Sie nicht! Fassen Sie Mut - und Brust hoch!
















