Gedanken zum 10. Geburtstag von AUF Gelsenkirchen von Wilma Mittelbach
10 Jahre AUF – sind 10 Jahre Aufklärung, Recherche und Kampfaktionen an der ganzen Bandbreite der Lebensinteressen der Masse der Bevölkerung in Gelsenkirchen. Es geht um den Kampf um jeden Arbeitsplatz, gegen die Verschlechterung der Gesundheitsversorgung, um die Verbesserung der Erziehung und Ausbildung unserer Kinder, im Streit um bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum gegen Schimmelbefall, Privatisierungen, drastische Mieterhöhungen, gegen die zunehmende Belastung unserer Umwelt durch Verkehrslärm, Fein- und Feinststäube, Trinkwasserbelastungen.Allein die sicher noch nicht vollständige stichwortartige Auflistung unserer Aktivitäten der letzten zehn Jahre umfasst schon drei Din á 4-Seiten. Das reicht von sogenannten kleinen Anfragen über Solidaritätsaktionen und selbst organisierten Großveranstaltungen bis hin zu mühevollen, aber äußerst brisanten Recherchen und Enthüllungen mit bundesweiter Bedeutung.
Wir haben gemeinsam mit vielen Bürgerinnen und Bürgern selbst organisiert:
- vier Kinder- und Jugendfeste
- einen jugendpolitischen Ratschlag
- einen migrantenpolitischen Ratschlag
- Aktionstage gegen Haushaltssperren und Kürzungen im Haushalt unter aktiver Mitwirkung betroffener Initiativen, auch aus anderen Städten
- eine Busfahrt zu den Haushaltslöchern der Stadt Gelsenkirchen und den Höhepunkten des solidarischen Widerstands
- eine Busfahrt zu bedeutenden stadtplanerischen Sünden und Erfolgen mit Prof. Günter
- zwei Foren zum Hans-Sachs-Haus
- kommunalpolitische Ratschläge zum Erfahrungsaustausch mit anderen Wahlbündnissen und zur perspektivischen Vernetzung der weiteren Arbeit.
Mit Kumpel für AUF haben wir inzwischen 3 Bergarbeiterseminare organisiert, ein Tribunal zum Besucherbergwerk Hugo veranstaltet, an fünf Pfingstjugendtreffen teilgenommen, an 252 Montagsdemonstrationen Flagge gezeigt und mehrere Feste in der Horster Mitte mit gestaltet, AUF Gelsenkirchen hat sich einen guten antifaschistischen Namen gemacht gegen alle Versuche ultrarechter und faschistischer Kräfte, in GE Fuß zu fassen.
Unsere wichtigste Arbeit ist aber die ständige Beratung und Zusammenarbeit mit den Menschen in GE, gemeinsam mit ihnen ihre Belange und Interessen gegen die rigorose und rücksichtslose Haushaltspolitik der etablierten Parteien zu formulieren und den Kampf um die Durchsetzung zu organisieren. So gegen die beabsichtigte Schließung verschiedener Kindertagesstätten und Jugendhäuser, gegen unsinnige Bauprojekte wie die Ortsumfahrung Rotthausen, die Norderweiterung durch's Naturschutzgebiet, die Vernichtung von Kleingärten und Grabeland, die Unterstützung der Kämpfe der Belegschaften bei St. Gobain, bei Pilkinton, TRW und Vaillant, bei Küppersbusch und Hertie gegen Arbeitsplatzvernichtung, für bezahlbaren und menschenwürdigen Wohnraum.
10 Jahre AUF – sind 10 Jahre gewachsene organisierte Verbindungen zu Menschen in Gelsenkirchen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Wie in einem Netzwerk haben wir Schritt für Schritt Verbindungen gesucht zu Flüchtlingen und Asylbewerbern, zu den Arbeitern und Arbeiterinnen aus verschiedenen Betrieben, zu den sportlich Aktiven aus den Vereinen, zu Kindern und Jugendlichen mit ihren Eltern, zu Mietern und Eigenheimbesitzern, zu Kleingärtnern und Grabeländern, zu Geschäftsleuten, Ärzten und Anwälten, zu kleinen und großen Experten in Rollschuhbahnen, Stadtarchitektur, Landschaftsplanung und Umwelttechnologie. Alle diese Beziehungen waren und sind für alle Seiten gegenseitiges Lernen, entwickelten gegenseitigen Respekt und führten nicht selten zu dauerhaften Freundschaften und Sympathien.
Ein Beispiel aus jüngster Zeit macht deutlich, dass AUF Gelsenkirchen ein gutes Fingerspitzengefühl im Umgang mit Spitzenvertretern der Verwaltung wie dem ehemaligen Stadtkämmerer Kliewe (CDU) entwickelt hat, der eingeladen wurde, seinen letzten Abend in Gelsenkirchen auf dem Hof der Horster Mitte inmitten der frisch aufgezogenen Plakate aus der Plakatfabrik mit eins, zwei, vielleicht auch drei Flaschen Schnaps gemeinsam mit zahlreichen AUF-Mitgliedern in gemütlicher Runde zu verbringen. Vermutlich unter den argwöhnischen Augen des Verfassungsschutzes, wie Kliewe selbst anfangs etwas ironisch kommentierte.
Diese Beispiele zeigen einmal mehr, dass ein respektvoller, solidarischer Umgang miteinander trotz grundlegender Differenzen in der Sache möglich ist, wenn man das will und sich nicht von den Schreckensbildern des modernen Antikommunismus den Kopf verdummen lässt, wie es beispielhaft Bernd Matzkowski von den Grünen praktizierte, als er seinen Auftritt auf einer Montagsdemonstration vor gut vier Jahren dazu nutzte, Gift, Galle und wüste Beschimpfungen über die Teilnehmer zu versprühen.
AUF hat sich in den zehn Jahren eine geballte Kompetenz in vielen gesellschaftlichen Fragen angeeignet, aber auch hier ist die Methode bemerkenswert und grundsätzlich verschieden zu den etablierten Parteien. Was zeichnet uns aus? Wir wollen lernen, beraten uns öffentlich mit den Betroffenen und gehen von ihren Interessen und Standpunkten aus. Die Leitlinie auch unserer Recherchen und Analysen sind Unbestechlichkeit und Objektivität, wir hinterfragen die Dinge und lassen uns nicht von den Vertretern der Banken und Konzerne, von gut bezahlten Beratern und sogenannten renommierten Kanzleien hinter verschlossenen Türen für viel Geld unterrichten, wie man den Bürgern das Geld aus der Tasche zieht.
In der Geschichte von AUF haben wir uns wichtige Positionen gemeinsam erarbeitet, so zur Situation der Jugendlichen und ihren wichtigsten Forderungen auf einem jugendpolitischen Ratschlag oder zum Besucherbergwerk auf Zeche Hugo, wo wir nach und nach verschiedene Aspekte untersucht, Bergleute und Fachleute befragt, einzelne Begebenheiten beoabachtet, zusammengetragen und bewertet haben auf dem Hintergrund unserer Einschätzung, dass die Arbeitsplätze im Bergbau längst aufgegeben waren und die Bevölkerung mit den Versprechungen eines Besucherbergwerks hinters Licht geführt wurden.
10 Jahre AUF – sind 10 Jahre harte, aber erfolgreiche Auseinandersetzungen mit den „Totschlag-Waffen“ des modernen Antikommunismus. Bereits in der Gründungsphase von AUF 1999 wurde AUF überzogen mit der Unterstellung, „Tarnorganisation“ und „U-Boot“ der MLPD zu sein, mit der Absicht, auf diese Art viele Menschen davon abzuhalten, sich eine Alternative zur SPD zu suchen und sich selbst zu organisieren. In den letzten zehn Jahren gab es immer Auseinandersetzungen über das Verhältnis von AUF und MLPD, meist in Situationen, in denen sich Neues entwickelte, in denen sich der Kampf der Massen entwickelte oder auch die spontane Bewegung zurück ging, in denen die etablierten Parteien und die bürgerliche Presse auf Enthüllungen und Initiativen von uns reagieren mussten und sich dabei der sogenannten „Erkenntnisse“ des Verfassungsschutzes bediente. In den zehn Jahren haben wir auch einiges „gelernt“ über das Schema eines Redebeitrags á la Matzkowski von den Grünen:
Man nehme einen angeblich witzigen Einstieg/Anknüpfungspunkt, garniere das Ganze mit einem Zitat aus den Klassikern der deutschen Literatur, schlage dann einen Haken nach Moskau oder Peking, vergewissere sich der Lacher auf seiner Seite, um dann mit leichtem Schaum vorm Mund den Gegner in seine angeblichen Abgründe zu verweisen.
So kann man sich auch zum Hof-Narren mancher etablierter Kommunalpolitiker machen lassen, die ihm gerne Beifall spendeten.
















